Was macht dieser Mann im Outfit der Deutschen Skiverbandes nur immer auf dem Trainerturm? Das Gesicht von Michael Schmidt kennen skisprungbegeisterte Fernsehzuschauer sicher fast alle. Ob bei Weltcupspringen und -fliegen, ob bei Wettkämpfen der Männer oder denen der Frauen, überall ist der Mann aus dem Sauerland zuständig für das Team der Vorspringer und damit in ganz engem Austausch mit den Coaches, mit der jeweiligen Rennleitung und mit Renndirektor Sando Pertile.
Seit fast 20 Jahren erledigt Schmidt diesen Job nun. Alles im Ehrenamt, denn beruflich führt der Sauerländer ein Transportunternehmen. Bis 1996 war Schmidt selbst Skispringer, für zwei Jahre auch Trainer der deutschen Frauen und seit 2015 Cheftrainer der Vorspringer.
Bei den Veranstaltungen gehen die Vorspringer an den Trainings- und Wettkampftagen jeweils vor den Weltcupathleten und -athletinnen in die Spur, um den Zustand der Anlage und des Aufsprunghügels zu checken, die richtige Anlauflänge und die Kamerapositionen zu bestimmen.
2008 hat der Sauerländer damit begonnen, ein fixes Team aufzubauen, weil viele Weltcupveranstalter Schwierigkeiten hatten, die vorgeschriebene Anzahl von bis zu 20 Vorspringern für einen Wettkampf in Eigenregie zu stellen. „In Oberstdorf beim Skifliegen gab es damals nicht ausreichend Vorspringer und man musste erst welche aus Norwegen einfliegen, um den Regeln zu entsprechen“, erinnert sich Schmidt. Alles teuer und unrentabel. Danach machte Schmidt Nägel mit Köpfen und begann, einen Pool an Vorspringern zu bilden, auf den man an allen Weltcup-Orten, beim Conti-Cup und bei den Nordischen Kombinierern zurückgreifen kann.
Inzwischen gibt es einen Stamm von rund 65 Aktiven, unter anderem aus Deutschland, Österreich, den skandinavischen und osteuropäischen Ländern, aber auch aus Japan.
Nach all den Jahren soll nun Schluss sein. Michael Schmidt wird für diese letzte Saison das wohl bekannteste Gesicht auf dem Trainerpodest sein. Nun wolle er sich einmal um etwas anderes kümmern und das Leben aus dem Koffer sei nach so langer Zeit auch nicht mehr besonders reizvoll. Beschlossene Sache sei, dass er künftig wieder an der Heimschanze zu sehen ist, im Training mit dem Nachwuchs vom SC Meinerzhagen. Und auf diese Aufgabe freut er sich.
Als Dankeschön für die jahrelange Zusammenarbeit erhielt Michael Schmidt bei der Skiflug-WM in Oberstdorf von seinem langjährigen Mitstreiter Hans Schmid und dem Generalsekretär Florian Stern eine Kässpatzenschüssel gefüllt mit Leckereien. Die Einladung, jederzeit in Oberstdorf als Gast dabei zu sein, gab es obendrein.
