Aktuelle News

am 20.02.2018

Karle Geiger gewinnt Silber

Geiger Karl

In einem spannenden Duell mit Polen gewinnen Karle Geiger, Leyhe, Freitag und Wellinger mit haudünnem Vorsprung Silber

Wenn ihnen das einer vor der Saison gesagt hätte, sie hätte denjenigen für verrückt erklärt. Aber nun war es Fakt. Michael Hayböck vom Team Österreich, mit dem sich die Deutschen seit vielen Jahren heiße Duelle liefern, war gerade gelandet und hatte den undankbaren vierten Rang für Rot-Weiß-Rot gesichert. In diesem Moment hätte Andreas Wellinger auf die Kleinschanze nebenan umziehen und mit einem Sicherheitssprung locker die Olympia-Medaille beim Teamspringen sichern können. Doch das Ziel von Wellinger, der bei diesen Spielen schon Gold und Silber gewonnen hatte, war ein anderes. Er wollte die beiden noch oben stehenden Kamil Stoch (Polen) und Robert Johansson (Norwegen) mit einem weiteren Supersatz unter Druck setzen – auf dass vielleicht doch noch mehr herausspringe als nur die Komplettierung seines Medaillensatzes mit Bronze.

Zwar gelang dem 22-jährigen Überflieger im deutschen Team mit 134 Metern kein so guter Satz mehr, wie im ersten Durchgang, dennoch leuchtete die Eins auf. Und prompt: Kamil Stoch aus Polen zeigte Nerven, bekam vier Punkte weniger als Wellinger und fiel knapp hinter Deutschland zurück.

Nun war er wieder da, der Traum von Gold. Der Traum davon, den Olympiasieg von Sotschi zu wiederholen. Doch Johansson, der wie Wellinger in allen drei Olympia-Bewerben eine Plakette holte, zupfte nicht mal an seinem Bart, blieb nervenstark und setzte mit einem Satz auf 136 Metern ein Ausrufezeichen hinter den Sieg der Skandinavier.

Wellinger war dennoch ebenso geplättet wie die beiden Olympia-Debütanten Karl Geiger und Stephan Leyhe, die sich nicht nur ein Sonderlob von Bundestrainer Werner Schuster abholten („Grandios vor allem, wie sich Karl hier in den letzten Tagen reingefuchst hat.“), sondern wie Freitag ihre erste Olympiamedaille gewannen. Der 26-jährige Sachse,
der seit Sommer in Oberstdorf trainiert, zeigte im Moment seines größten Triumphs Größe und bezog den für Leyhe ausgebooteten Markus Eisenbichler explizit in sein Lob ein, als er sagte: „Wir sind einfach ein geiles Team.“

In Sotschi hatte Freitag noch zuschauen müssen, wie Wellinger, Marinus Kraus, Severin Freund und Andreas Wank überraschend zu Gold gesegelt waren. „Ich weiß, wie sich das anfühlt“, sagte Freitag.

Der Oberstdorfer Karl Geiger, dessen Eltern zum Daumendrücken nach Südkorea gekommen waren, hatte Schuster das Vertrauen zurückgezahlt, das dieser ihm als Startspringer geschenkt hatte. „Ich war zwar nervös, aber ich bin konzentriert geblieben und hab’ zwei gute Sprünge runtergebracht. Ich freue mich riesig über Silber“, jubelte der 25-Jährige, der in Pyeongchang endgültig vom Karle zum Karl gereift ist.

Wellinger schaffte sogar Historisches: Er ist der erste deutsche Springer, der drei Medaillen bei den gleichen Spielen holte. „Ein Traum“, sagte der 22-Jährige, dem Bundestrainer Schuster eine große Zukunft voraussagt, „wenn er vernünftig bleibt.“ Deshalb werde jetzt gefeiert – und nächste Woche wieder trainiert, schließlich sei im Gesamtweltcup noch was drin. „Wie hart eine Olympia-Medaille erarbeitet werden muss, das weiß man erst, wenn man mal keine mehr macht. Fragt nach bei den Österreichern.“

am 13.02.2018

Althaus’ Sprung ins Glück

Bild Weltcup Skispringen

Die Oberstdorferin gewinnt Silber in einem anstrengenden Wettkampf

Juliane Strähle kennt Katharina Althaus wie kaum eine andere. Die Physiotherapeutin ist so etwas wie die gute Seele bei den deutschen Skisprung-Frauen. Für jede Art von Feiern, ob Geburtstage oder Top-Ergebnisse im Weltcup, ist sie die Cheforganisatorin. Meist stellt die gebürtige Heilbronnerin dafür ihr Hotelzimmer zur Verfügung. Katharina Althaus, die 21-jährige Oberstdorferin, sei eine, die bei den Zimmerpartys
stets zu den Stimmungskanonen gehöre. Auch in der gestrigen Nacht feierten die deutschen Skispringerinnen wieder eine Sause – nur um etliche Nummern größer – und mit Katharina Althaus im Mittelpunkt.

Die Allgäuerin bestätigte in einer spannenden Konkurrenz ihre diesjährige Topform und gewann hinter der Weltcup-Führenden Maren Lundy aus Norwegen und vor der Japanerin Sara Takanashi die erste deutsche Silbermedaille in Pyeongchang. „Es ist einfach Wahnsinn“, sagte Althaus noch sichtlich bewegt, „als ich das Ergebnis an der Anzeigentafel sah, wusste ich, dass für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen ist: eine olympische Medaille zu gewinnen.“ Althaus hatte beim wichtigsten
Wettkampf der Saison wie ein Uhrwerk funktioniert – und das, obwohl Juliane Strähle untertags eine „ungewöhnlich große Anspannung“ bei der Oberstdorferin bemerkt hatte.

Im ersten Durchgang, der mehrfach wegen wechselnder Winde unterbrochen werden musste, zeigte sie sich nervenstark und schaffte mit 106,5 Meter den weitesten Satz. Die Halbzeitführung aber schnappte sich ihre stärkste Widersacherin im Weltcup, die Norwegerin Lundby, die sich die Butter auch im zweiten Durchgang nicht mehr vom Brot nehmen ließ und mit der Tagesweite von 110 Meter ein Ausrufezeichen hinter ihre Goldmedaille setzte.

Trotz der schwierigen Bedingungen spiegelten die Ergebnislisten nach dem ersten und zweiten Durchgang auf den Top-3-Plätzen exakt die Weltcup-Gesamtwertung wieder. Am wenigsten glücklich wirkte die Japanerin Takanashi, die im mit etwa 2.000 Besuchern spärlich besetzten Stadion die meisten Fans und damit wohl den meisten Druck hatte. Titelverteidigerin Carina Vogt wurde ihrer Rolle als Favoritenschreck diesmal nicht gerecht. Die 26-Jährige vom SC Degenfeld hatte aber das größte Pech, musste sie doch vor ihrem ersten Sprung fast fünf Minuten am Schanzenturm warten. Mit Sprüngen von 97 und 105 Meter wurde sie Fünfte, gratulierte als Erste ihrer Teamkollegin Althaus und zeigte sich als faire Verliererin: „Natürlich freue ich mich am meisten für die Katha. Ich hätte es ihr auch gegönnt, dass sie Maren Lundby noch überholt. Mit 21 Jahren eine Silbermedaille bei Olympischen Spielen zu holen, damit kann man, glaube ich, ganz zufrieden sein.“

Auch Bundestrainer Andreas Bauer strahlte: „Wir sind alle mega stolz. Es stand viel auf dem Spiel“, sagte der Medaillenschmied, der Vogt bei Olympia 2014 und den Weltmeisterschaften 2015 und 2017 zum Triumph geführt hatte. Andreas Wellinger, der am Samstag an gleicher Stätte Gold gewonnen hatte, war gekommen, hatte den Springer-Kolleginnen vor dem Wettkampf im Container viel Spaß gewünscht und hinterher zu den ersten Gratulanten gezählt. „Toll, dass die Jungs da waren“, sagte Althaus und blickte bereits nach vorn. Sie wünsche sich auch bei Olympia künftig einen Team-Wettbewerb für Frauen und eine Mixed-Staffel. „Schade, dass ich hier nicht mehr springen darf. Ich könnt’ grad so weitermachen“, sagte sie grinsend. Althaus zeigte stolz ihre schwarzrot-goldenen Fingernägel, die sie sich vor der Abfahrt an die Schanze aus Langeweile noch lackiert hatte und vergaß nicht, Grüße und ein Dankeschön in die Heimat zu schicken.
Nach einem wahren Interview-Marathon freute sich Althaus auf die Fahrt ins Deutsche Haus: „Jetzt werden wir erst mal g’scheit feiern – mit Bier, so wie man das als Oberallgäuer halt macht“, kündigte Althaus eine zünftige Nacht an. Und Juliane Strähle grinste nur, weil sie wusste, ihr Zimmer wird wieder gebraucht…

Text: Allgäuer Anzeigeblatt, 13.02.2018

am 12.02.2018

Befreundete Rivalinnen

Katharina Althaus gewinnt Nachtspringen 2017

Katharina Althaus und Carina Vogt zählen beim Frauen-Wettbewerb zu den heißen Anwärterinnen auf eine Medaille. Warum nächtliche Spielchen zur Vorbereitung gehören.

Die Nachteulen im deutschen Team wollen heute auf fette Beutejagd gehen. Zwei hübsche junge Frauen wie Katharina Althaus und Carina Vogt als Eulen zu bezeichnen, schickt sich zwar nicht an. Doch erstens passt ihr Lebensstil der letzten Tage am besten zum nachtaktiven Raubvogel, zum anderen haben beide selbst auch immer einen lockeren Spruch auf der Lippe und lieben es, sich selbst oder andere regelmäßig auf den Arm zu nehmen. Die 21-jährige Oberstdorferin Althaus und ihre fünf Jahre ältere
Teamkollegin aus Degenfeld unterscheiden sich charakterlich doch deutlich, ihre Sternzeichen (Althaus Zwilling, Vogt Wassermann) besagen jedoch, dass beide absolut auf derselben Wellenlänge schwimmen und sich blind verstehen. Wenn im Alpensia-Skisprungstadion der erste und gleichzeitig letzte olympische Frauen-Wettkampf dieser Spiele auf der Normalschanze beginnt, können die Trainingspartnerinnen am Stützpunkt Oberstdorf beim Kampf um Gold sogar zu ärgsten Widersacherinnen werden.

Seit ihrem Abflug nach Pyeonchang verbringen Althaus und Vogt fast jede Minute miteinander. Training, Physio, Essen, Teambesprechung – die Wege sind immer dieselben. Da die beiden zusammen mit den zwei weiteren DSV-Starterinnen Juliane Seyfarth aus Ruhla und Ramona Straub (Langenordnach) sowie dem Trainer- und Betreuerteam um Andreas Bauer in der Gemeinschaftsunterkunft in Pyeongchang die achtstündige Zeitumstellung ausklammern und mit speziellen Lampen und Lichtbrillen mit ihrem Biorhythmus im mitteleuropäischen Modus bleiben wollten, halfen Althaus und Vogt aktiv nach: „Unsere Vorhänge sind eigentlich ganz gut, aber wir haben auch so schwarze Mülltüten, die wir drüberhängen, damit es dunkel bleibt“.

Da der Wettkampf erst um kurz vor zehn Uhr abends Ortszeit startet und vermutlich wie bei den Männern bis Mitternacht oder sogar darüber hinaus dauern wird, lautet die Devise: Lange aufbleiben und spät aufstehen. Langeweile kommt nicht auf, dafür sorgen laut Carina Vogt und Katharina Althaus Teamabende mit Gesellschaftsspielen sowie das „Glotzen“ von amerikanischen TV-Serien wie House of Cards und Designated Survivor – beides Polit-Thriller.

Spannung verspricht auch die Konkurrenz auf der Schanze. Die Gesamtweltcup-Führende Maren Lundy, die regelmäßig mit den norwegischen Männern trainiert, und die Japanerin Sara Takanashi, die vor vier Jahren in Sotschi nicht nur an der starken Carina Vogt, sondern auch an ihren eigenen Nerven gescheitert war, zählen zu den Top-Favoriten. Bundestrainer Andreas Bauer machte aber schon vor der Abreise nach Korea deutlich, dass niemand die Rechnung ohne Katharina Althaus machen sollte. Mit acht Podestplätzen bei ebenso vielen Weltcup Wettbewerben war die 21-jährige Allgäuerinnen in diesem Winter bisher die Zuverlässigkeit in Person.

Dass die Norwegerin Lundby in der Favoritenrolle ist, gefällt Althaus. „Ich weiß, dass ich sie schlagen kann. Und ich habe schon gemerkt, dass ich noch Reserven habe. “Bei den zwei Trainingssprüngen auf der Schanze von Pyeongchang, die von der Geometrie her stark der kleinen Schanze am Oberstdorfer Schattenberg ähnelt, belegte sie jeweils Rang drei. Auf den dritten Sprung verzichtete Althaus freiwillig. Sie ist überzeugt, dass ihre Teamkollegin Vogt wieder ihrer Rolle als Favoritenschreck gerecht werden kann: „Sie hat das bisschen Lockerheit mehr als ich. Dennoch will ich ganz vorne mitspringen.“ Bei Vogt deutet vieles darauf hin, dass sie wieder auf den Punkt genau fit sein könnte, so wie 2014 in Sotschi und so wie 2017 in Lahti, als sie ohne vorherigen Sieg im Weltcup kam, die Konkurrenz düpierte – und siegte. Es klingt fast wie eine Drohung, wenn Carina Vogt sagt: „Ich will nur die anderen ein bisschen ärgern. Alles andere muss passieren.“

Allgäuer Anzeigeblatt, 12.02.2018

am 06.02.2018

Jetzt schon Starter-Paket sichern!

Schnupperkurse Nordic Day 2014

Der Nordic Day am 18. Februar bietet Sport und Spaß für die ganze Familie

Am Sonntag, 18. Februar, findet von 11.00 bis 15.00 Uhr im Langlaufstadion Oberstdorf/Ried der Nordic Day statt. Auch heuer wird wieder das attraktive Starter-Paket angeboten. Das Starterpaket gibt es ab sofort bei Sport Altenried in Immenstadt. Neben einer hochwertigen Mütze von Salomon sind außerdem mit im Starterpaket: ein Sitzkissen der Sparkasse, zwei Flaschen Allgäuer Alpenwasser und eine Wachsprobe von Holmenkol. Abgerundet wird das Starterpaket von einem Wonnemar-Gutschein – für das Relaxen danach. Das Starterpaket ist bei Sport Altenried in Immenstadt für 10,00 Euro erhältlich (regulärer Wert ca. 35,00 Euro). Die kompletten Einnahmen kommen PROSPORT, der Nachwuchsförderung im Allgäu und Kleinwalsertal
zugute.

am 01.02.2018

Mit den besten Wünschen nach Korea

Verabschiedung der Olympiateilnehmer 2018

Ein Großteil der Allgäuer Olympia-Teilnehmer macht sich in den nächsten Tagen auf den Weg nach Pyeongchang. Bei der Verabschiedung in Oberstdorf schlüpft der dritte Bürgermeister sogar in die Schornsteinfeger-Kluft

Die Tage vor Olympia sind für Sportler, Trainer und Betreuer Tage der Anspannung. Nichts, aber auch gar nichts soll einen Athleten so kurz vor dem Saison- oder gar Karriere-Höhepunkt aus der Bahn werfen, die Gesundheit rauben oder die Top-Form schmälern. Auch Peter Leiner, der Assistent von Frauen-Skisprung-Bundestrainer Andreas Bauer, verspürte bei der Verabschiedung der Allgäuer Olympia-Teilnehmer im Oberstdorf Haus am Dienstagabend plötzlich so ein ungutes Gefühl. Dass sein Schützling Katharina Althaus, die als erste von insgesamt 26 angekündigten Athleten für ein Kurzinterview auf die Bühne gebeten wurde, jetzt über eine Stunde da oben stehen soll, um anschließend für ein Gemeinschaftsfoto zu posieren, gefiel dem 52-jährigen Stützpunkttrainer gar nicht. Er zögerte zunächst noch, ob er Bürgermeister Laurent Mies und den zu Moderatoren umfunktionierten Führungskräften Hans-Peter Jokschat (Sportstätten Oberstdorf), Dr. Peter Kruijer (Vorsitzender Skiclub) und Harald Löffler (Vorsitzender Eissportclub) in die Parade fahren dürfte. Nach zehn Minuten aber nahm Leiner all seinen Mut zusammen, bat Mies um Verständnis und befreite die Sportler so aus ihrer vorolympischen Bühnenstarre. „Wir trainieren die ganze Woche Spritzigkeit und Schnellkraft“, begründete Leiner hinterher sein Einschreiten und schob nach: „Über eine Stunde Rumstehen ist da der Tod.“

Dabei gab es eine ganze Reihe von Sportler, die froh gewesen wären, sie hätten überhaupt die Bühne betreten können. Weil sie aber wegen eines grippalen Infekts flachliegen, konnten beispielsweise die Langläuferinnen Nicole Fessel, Hanna Kolb und Sandra Ringwald erst gar nicht an der Verabschiedung teilnehmen. Andere hatten Einsätze bei Junioren-Weltmeisterschaften oder Sondertrainings weit außerhalb des Allgäus.
Laurent Mies freute sich dennoch über die Rekordzahl an Allgäuer Olympia-Teilnehmern. Allein durch ihre Qualifikation hätten schon einen riesigen persönlichen Erfolg für sich verbucht. Zum Erfolg beigetragen hätten, so Mies, aber ganz bestimmt auch die guten Trainingsbedingungen, die die Sportler in Oberstdorf vorfänden.

Die Athleten hielten sich in ihren Kurzinterviews übrigens ziemlich bedeckt, was ihre Zielsetzung für Olympia angeht. Fast unisono sagten sie Sätze wie: „Schön wäre es, am Tag X meine beste Leistung abzurufen.“ „Druck mache ich mir keinen. Wenn eine Medaille rausspringt, ist’s gut, wenn nicht, auch kein Beinbruch.“ Dabeisein sei schließlich alles. Wie Eiskunstläuferin Aljona Savchenko bedankte sich auch der Neu-Oberstdorfer Richard Freitag explizit für die Verabschiedung: „Vielen Dank für die Einladung. Ich war ein bisschen überrascht, dass die Integration so schnell gegangen ist“, meinte der Skispringer aus Sachsen augenzwinkernd. Als Glücksbringer überreichte Oberstdorfs dritter Bürgermeister Gerhard Schmid in seiner Kaminkehrer-Kluft jedem Athleten einen großen Glückskeks aus Oberstdorf.

Weil der aber so süß und gehaltvoll sei, riet Jokschat dazu, ihn erst nach den Wettkämpfen anzuknabbern. Dieser Satz hätte in den Tagen vor Olympia auch von einem besorgten Trainer kommen können.

Text: Thomas Weiss, Allgäuer Anzeigeblatt, 01.02.2018
Foto: Elke Wiartalla

am 24.01.2018

Tolle Quoten für Oberstdorf im Fernsehen

Zuschauermassen

OK-Chef Florian Stern blickt auf Skiflug-WM zurück

Mit der offiziellen Schlusszeremonie ist die Skiflug-WM in Oberstdorf zu Ende gegangen. Für Florian Stern (43) war es die erste Weltmeisterschaft als Generalsekretär und Chef des Organisationskomitees. Im AZ-Interview zieht er Bilanz.

Vierschanzentournee, Tour de Ski und zuletzt die Skiflug-WM: Ihre ersten drei Großveranstaltungen als Chef des Organisationskomitees sind vorbei.
Wie fällt Ihr Fazit aus?

Florian Stern: Der Aufwand war groß. Speziell auf die Skiflug-WM bezogen, hatten wir schon im Vorfeld Schwierigkeiten aufgrund des Regens und Sturms. Das hat sich letztlich bis ins Wochenende fortgesetzt. Es waren aber tolle WM-Tage. Wir hatten über 60 000 Zuschauer, Wettkämpfe auf hohem Niveau und tolle Fernsehbilder. Übrigens haben das Einzel am Samstag knapp fünf Millionen und den Team- Wettbewerb am Sonntag im Programm der ARD sogar fast sechs Millionen Menschen gesehen.

Wie haben Sie die vergangenen Wochen denn persönlich erlebt?

Stern: Solche Großveranstaltungen sind Herausforderungen für das ganze Team. Da zähle ich bewusst auch unsere ehrenamtlichen Helfer dazu. Wir sind natürlich froh, dass wir Weltcups und Weltmeisterschaften bei uns ausrichten dürfen. Sie müssten aber nicht unbedingt alle innerhalb von drei Wochen stattfinden (lacht).

Bleibt bis zum nächsten Weltcup, dem Skispringen der Frauen in der Audi Arena Ende März, überhaupt Zeit, ein bisschen Luft zu holen?

Stern: Es geht nahtlos weiter. Die nächsten Tage sind wir noch mit Abbauarbeiten und der Abwicklung der WM beschäftigt. Außerdem sind die Schanzen in der Audi Arena wichtiger Trainingsstützpunkt. Dazu kommt der tägliche touristische Betrieb in der Arena.

Wann wird denn an der Heini-Klopfer-Schanze wieder geflogen?

Stern: Es gibt im provisorischen Fis-Kalender einen Termin im Februar 2019. Der ist aber noch unbestätigt. Wir würden uns sehr darüber freuen.

Interview: Allgäuer Anzeigeblatt/Stephan Schöttl 23.01.2018

am 24.01.2018

Vorfreude auf Bibimbap

Katharina Althaus

Bundestrainer Andreas Bauer bereitet seine Topathletinnen in Oberstdorf auf Olympia in Pyeongchang vor. Das koreanische Nationalgericht gibt’s aber noch nicht so schnell.

Skispringerinnen sind geübt darin, geduldig zu sein. In Training und Wettkampf müssen sie oft warten, sich konzentrieren und Minuten später wieder warten. Abläufe stupide zu wiederholen, gehört zum Tagesgeschäft.
In der Audi Arena war die Tugend Geduld bei den beiden deutschen Top- Skispringerinnen Carina Vogt (25) und Katharina Althaus (21) nicht nur oben am Schanzenturm gefragt, sondern auch im Auslauf der Schattenbergschanzen. Da stehen sie nach dem Spezialtraining im weichen Schnee, nehmen ihren Trainer Andreas Bauer in die Mitte und müssen warten. Darauf, dass der Kameramann sein Okay gibt, dass der Tontechniker sein Wuschel-Mikrofon an einer langen Teleskopstange über ihre Köpfe platziert und dass der Reporter der ARD endlich das Kommando gibt. „Los.“ In diesem Moment ist die gleiche Präzision gefragt wie beim Absprung am Schanzentisch.

„Wir sind be...“ Stopp, schreit plötzlich einer, noch mal. Dass er den falschen Knopf drückte, wird schmunzelnd hingenommen. Also von vorn. Wie im Chor, aber ohne 1-2-3, sagen Althaus, Bauer und Vogt den Satz noch einmal auf: „Wir – sind – bereit – für – Pyeongchang.“ Schön parallel – und mit einer Punktlandung bei der Silbe -chang. Die Aufnahme sitzt. Weil zwei weiteren Kollegen vom Radio aber in den Kopf schießt, sie könnten für ihre Olympia-Vorberichterstattung doch auch noch gut so einen Aufsager brauchen, wird Bauer und seine Mädels noch einmal Geduld abverlangt – und dieser eher spekulative Satz mit „Wir sind bereit“.

Es ist Medientag des Deutschen Skiverbandes – drei Wochen, bevor es im südkoreanischen Pyeongchang um die olympische Einzelmedaille im Frauenskispringen geht. Genau genommen müssten sie den Satz abwandeln in „Wir machen uns bereit für Pyeongchang“. Denn in Oberstdorf bestreiten Trainer- und Betreuerstab zusammen mit den beiden Top-Athletinnen ein Spezialtraining vor dem Saisonhöhepunkt in Korea. Am Material wird ebenso gefeilt wie am Sprungstil, drei Experten des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) aus Leipzig erfassen alle relevanten Daten bei Anlauf, Absprung sowie in der Flugphase – und werten sie abends zusammen mit den Athletinnen aus. „Wir überlassen nichts dem Zufall“, sagt Bauer, „die Zahlen liefern im Idealfall den Beweis, dass nicht nur das Gefühl für den richtigen Sprung passt.“

Neben den Einheiten an der Normalschanze von Oberstdorf, die laut Bauer – was die Geometrie betrifft – fast 1:1 mit der Olympiaanlage in Korea vergleichbar sei, stehen im Allgäu auch noch Gespräche mit einer Ernährungsberaterin und einem Sportpsychologen auf dem Programm.
Nachträglich stießen die beiden ebenfalls nominierten Ramona Straub (Langenordnach) und Juliane Seyfarth (Ruhla) zum Team. Die Oberstdorferin Gianina Ernst, die vor vier Jahren als jüngste Athletin nach Sotschi durfte, muss diesmal zuschauen. Sie erfüllte zwar die DOSB-Norm, nicht aber die strengere Vorgabe des Skiverbandes mit zwei Top-8-Plätzen im Weltcup. Olympiasiegerin Carina Vogt wirkt locker wie selten zuvor. „Ich muss in Pyeongchang nichts hinterherlaufen. Ich hab’ mir meinen Traum schon erfüllt.“ Die Degenfelderin, die bei Großereignissen in den letzten Jahren stets ihre Bestleistungen abrufen konnte, will sich „nur wieder in die Position bringen, dass ich die anderen ärgern kann. Alles andere passiert.“ Ähnlich sieht es Katharina Althaus, die in dieser Saison konstant aufs Podest sprang und sich mit der Norwegerin Maren Lundby lange einen erbitterten Zweikampf an der Weltcup-Spitze lieferte. „Ich freu’ mich drauf, wenn’s losgeht und wenn ich zeigen kann, was ich kann.“ Das Olympia-Trainingslager und der Verzicht auf die Weltcups in Japan, bei der Lundby der Oberstdorferin 260 Punkte enteilt ist, sieht Althaus dennoch positiv: „Daheim runterfahren ist immer gut. Und das Training hier war enorm wichtig.“ Jetzt freue sie sich aber darauf, wenn es am Wochenende in Ljubno (Slowenien) und eine Woche später in Österreich (für den in Hinzenbach abgesagten Wettbewerb steigen eventuell Seefeld oder Villach ein) im Wettkampf-Rhythmus weitergehe, ehe das Team am 6. Februar in den Flieger steige. Pyeongchang, das sie bei einem Trainingslager im Oktober letzten Jahres schon einmal kennengelernt hat, gefällt ihr. Angetan war sie da vor allem vom Bibimbap, einem Reisgericht mit Fleisch
und viel Gemüse. „Das ist mega-gesund und schmeckt genial“, weiß Althaus. Doch auf koreanische Küche muss sie in der ersten Olympia-Woche erst einmal verzichten. Der Deutsche Skiverband hat außerhalb des Athletendorfes eine Unterkunft nahe der Skisprungschanze gebucht – und dafür gleich noch einen deutschen Koch engagiert ...

Allgäuer Anzeigeblatt, 24.01.2018

am 21.01.2018

Favorit Norwegen holt sich Team-Gold

Skiflug WM Team - Weltmeister Norwegen

Daniel Andre Tande wird Doppelweltmeister - Deutschland auf dem undankbaren vierten Rang

Die DSV-Adler mussten sich beim Team-Wettbewerb der Skiflug Weltmeisterschaft mit dem vierten Platz zufrieden geben. Für eine Medaille hat es um 10,9 Punkte und knappe zehn Meter den vier deutschen Springern Richard Freitag, Andreas Wellinger, Markus Eisenbichler und Stefan Leyhe nicht gereicht. Das DSV-Quartett musste sich an der Heini-Klopfer-Schanze dem Titelverteidiger Norwegen, aber auch den Slowenen und den Polen geschlagen geben.
Andreas Wellinger, der im ersten Durchgang mit einem Superflug auf 226,0 Meter große Hoffnungen auf eine Medaille weckte, war am Ende besonders enttäuscht: „Wenn nur jeder einen Meter in jedem Durchgang weiter gesprungen wäre, würde das anders aussehen."
Markus Eisenbichler und Stefan Leyhe haderten mit ihren Leistungen vor allem im zweiten Durchgang. Richard Freitag zeigte zwei solide Sprünge, konnte es am Ende aber auch nicht herausreißen. So platzte erneut der Traum von Bundestrainer Werner Schuster, der sich gewünscht hatte, mit den deutschen Adlern endlich einmal sowohl im Einzel als auch im Team eine Medaille zu holen.

am 21.01.2018

Stimmen nach dem Teamwettbewerb

Skiflug WM Team - Weltmeister Norwegen

Zwei spannende Durchgänge - Tande gewinnt mit Norwegen erneut Gold - Slowenen und Polen folgen auf Platz 2 und 3

Daniel Andre Tande (Team Norwegen, Weltmeister): „Heute war ich extrem nervös vor dem letzten Sprung, ganz schrecklich. Der Druck war groß. Wir hatten zwei neue im Team, die wir nicht einschätzen konnten. Dass wir es geschafft haben,  ist riesig.
Wir waren Favoriten, aber uns wurde nichts geschenkt. Skispringen ist so technisch, da kann von einer auf die andere Sekunde immer was passieren. Heute sind wir alle vier auf einem sehr hohen Niveau gesprungen. Die vier Tage hier haben mich müde gemacht, aber nicht gestresst. Ich hole meine Energie, wo ich kann und setzte sie ein, wo nötig. Ich würde alles genauso nochmal machen, weil es riesigen Spaß gemacht hat.“

Domen Prevc (Team Slowenien, Silbermedaille): „Ich bin nicht gestresst, weil mein Bruder Peter den Stress von mir fern gehalten hat. Unsere Leistung heute ist ein großer Schritt nach vorn. Jetzt hoffen wir das Beste für die Olympischen Spiele. Für mich lief es zu Beginn der Saison noch nicht so gut. Ich weiß ehrlich nicht, warum es heute so gut ging. Ich kam aus dem Probedurchgang gut raus und danach ging alles leicht und einfach."

Pjotr Zyla (Team Polen, Bronzemedaille): „Ich bin sehr glücklich über Bronze, die erste Medaille im Team-Skifliegen überhaupt. Dadurch, dass Kamil Stoch gestern Silber gewonnen hat, war der Druck bei uns nicht mehr so groß. Wie immer, wenn jemand aus dem Team gut ist. Kamil ist überhaupt ein toller Typ für den Team-Spirit und kann großartig Motivation vermitteln. Über die polnischen Fans bin ich sehr glücklich, egal ob sie hier an der Schanze waren oder das Ganze im TV verfolgt haben.
Für die Olympischen Spielen sieht alles nochmal ganz anders aus. Das ist ein anderer Wettkampf, eine andere Schanze. Aber wir sind ein starkes Team, das wissen wir.
Zum Feiern wird nicht viel Zeit bleiben. Es steht noch der Heimweltcup in Zakopane an, für den man sich nochmal besonders vorbereitet.“

Stimmen der DSV-Athleten nach dem 4. Platz:

Markus Eisenbichler: „Klar wissen wir, dass die Slowenen gut Skifliegen können. Wir waren als Team einfach schlechter. Ich habe meinen ersten Flug vergeigt. Der zweite war okay.

Stefan Leyhe: „Der erste Sprung war ganz okay. Im zweiten hatte ich den schlechtesten Wind von allen, aber trotzdem muss man besser springen.“

Andreas Wellinger: „Wegen neun Metern haben wir eine Medaille verpasst. Die Enttäuschung ist extrem groß. Wenn jeder in jedem Durchgang einen Meter weiter gesprungen wäre, hätte es schon gereicht. Aber es gibt ja noch ein paar Highlights in dieser Saison. Jetzt stehen erstmal Zakopane und Willingen an, anschließend die Olympischen Spiele. Schauen wir mal, was drin ist.“

Richard Freitag: „Wir haben halt heute den Schritt aufs Podium leider nicht geschafft. Das ist auf der einen Seite ärgerlich, auf der anderen Seite steckt es zum Weiterarbeiten an. Auch wenn wir jetzt ein bisschen betröbbelt herumlaufen, wir sind da immer relativ schnell wieder oben auf. 
Es war ein geniales Wochenende. Sie haben sich hier alle Mühe gegeben, selbst die Zuschauer, das muss man auch mal erwähnen. Medaille hin oder her, aber diese Momente sind Wahnsinn, dass wir so zusammenkommen können und trotzdem was zum Feiern haben."

am 21.01.2018

Weitere Stimmen nach dem Teamwettkampf

Skiflug WM Team - Simon Ammann

Bundestrainer Schuster nimmt Stellung nach Teamfliegen - Stefan Kraft hofft auf die zweite Saisonhälfte - Simon Ammann ist glücklich

Werner Schuster (DSV-Bundestrainer): „Natürlich ist Platz vier in einem solch starken Feld immer noch sehr gut. Es war klar, dass es ein sehr zähes Ringen um die Medaillen wird, und dass Norwegen schwer zu schlagen sein wird. Die Chance auf Silber war da, da hätten wir nur in der Breite noch konstanter springen müssen. Wir hatten gar keinen so schlechten Wettkampf aber es nicht gereicht. Die Konkurrenten haben sich auch extrem am Riemen gerissen.
Insgesamt war es für uns keine schlechte Skiflug-WM. Wir haben eine Medaille gewonnen, das ist gut und war nicht so einfach. Richard Freitag hatte ein hervorragendes Comeback. Die Sprünge von Stephan Leyhe und Markus Eisenbichler, die normalerweise wirklich gute Flieger sind, waren einfach nicht so konstant. Stefan ist etwas unter Wert herausgekommen, sein zweiter Sprung war nicht so schlecht, aber er hatte extrem schwierige Verhältnisse. Es hätte breitere Spitzenleistungen von allen gebraucht, es waren nur punktuell super Leistungen dabei und da waren wir einfach knapp hinten."

Stefan Kraft (Team Österreich, Platz 5): „Wenn man einfach zu viel denkt, dann tut man sich nicht leicht. Wir arbeiten sehr fest daran, wir probieren sehr viel. Skispringen, da braucht man Leichtigkeit, und Spaß. Im Moment macht es natürlich nicht sehr viel Spaß, wenn man sehr viel arbeitet weil man Schritt für Schritt näher kommen will, aber vielleicht gibt es ja für uns die Früchte dann in der zweiten Saisonhälfte. 
Heinz Kuttin ist seit knapp vier Jahren unser Trainer. Er macht das sehr gut. Im Moment ist halt einfach einmal der Hund drin, es läuft nicht, was soll man machen. Wir werden zusammen stehen, wir werden kämpfen und vielleicht können wir heuer ja noch einmal zurückschlagen. Für Olympia sind wir jetzt in einer tollen Ausgangslage, denn die Favoriten sind sicher die anderen. Wir werden uns jetzt die zwei Wochen noch voll reinhauen in aller Hinsicht, Sprungtechnisch, körperlich, und mit dem Material; wir werden alles noch mal tunen und dann sind wir hoffentlich perfekt vorbereitet."

Simon Ammann (Team Schweiz, Platz 6 vor Russland und Finnland): „Solch eine guten Platz haben wir schon lange nicht mehr erreicht. Die jüngeren Athleten mussten sehr hart arbeiten und über ihren Schatten springen, um dieses Ergebnis zu erreichen. Darüber freue ich mich. Auch hatte ich mit 216 Meter einen der weitesten Sprünge in meiner Gruppe.
Im Einzel ist es gemischt gelaufen. Es ist halt nicht jeder Tag wie der andere."